Übermittlungsschwierigkeiten

Übermittlungsschwierigkeiten

 

Was stimmt bloß nicht? Warum meldest du dich nicht? Vor vier Tagen schon bekam ich die Nachricht, dass die Dateien über deinen Account heruntergeladen wurden. Ich habe eben nochmal verglichen, ob ich mich nicht vielleicht doch bei der Adresse vertippt habe. Aber alles korrekt: Der Unterstrich sitzt wo er soll, kein Buchstabe zu viel, kein Zeichen zu wenig, keine Ziffer an der falschen Stelle. Im Gegensatz zu neulich, als die Dateien nach sieben downloadfreien Tagen einfach im Netz verschwunden sind, hast du ihnen dieses Mal also offensichtlich Audienz gewährt. Woran aber liegt es dann, dass du dich nicht meldest? Hattest du vielleicht einfach noch keine Zeit, dich ihnen - oder mir - zu widmen? Mit einer ruhigen Minute allein ist es da ja nicht getan. War es bei mir auch nicht. Eher Stunden. Keine Ahnung, wie viele genau. Zwar habe ich die

Zeit immer mal wieder angehalten und zurückgedreht, als ich mich durch Laufwerke, Pfade, Ordner und Unterordner klickte und doppelklickte - gestoppt habe ich sie aber nicht. Mehr als die Zeit zählte ja das Ergebnis: dein Mixtape. Ganz ohne meinen alten Rekorder mit Doppelkassettendeck – Deck A dabei abwechselnd befüllt mit entsprechend zurechtgespulten Bändern aus eigenem und Leihbestand, Deck B durchweg mit einer TDK-SA XS / Type II Leerkassette - hatte ich es für dich zusammengestellt. Beziehungsweise eine Liste gleichen Namens. Eine Kassette hätte dafür sowieso nicht gereicht - obwohl ich mich aufs absolute Minimum beschränkt habe. 83 Dateien; 82 davon im mp3-Format und ein JPG: Ein atmosphärisches Foto, aufgenommen mit meiner mittelschlechten Handykamera, anschließend mit stimmungsvollem Filter (schwarz-weiß; natürlich schwarz-weiß) versehen und mittels Bildbearbeitungsprogramm auf Kassettencoverformat zurechtgeschnitten. Statt dieses zu Lasten der Lesbarkeit - dafür zugunsten eines beeindruckenden Krampfs in der Schreibhand - selbst zu beschriften, überließ ich das dem protokollierenden Datentransfer. Eigentlich bedurfte die Titelauswahl keiner weiteren Erklärung. Deswegen wollte ich erst gar nichts in das kleine "Wenn Du möchtest, kannst Du hier Deiner Übertragung eine Nachricht anfügen"-Feld schreiben. Dann entschied ich mich aber doch um und tippte "So klingt es, wie es aussieht.“, bevor ich auf Senden drückte.

Seitdem nichts. Vier Tage: Sonntag, Feiertag, Feiertag, gestern. Ich weigere mich, der Ungeduld Oberwasser zu gönnen. Setze stattdessen die zusehends ermüdende Vorfreude nochmal neu auf. Sanfter diesmal, immerhin ist sie etwas angeschlagen. Die paar Stunden bis zu deinem Anruf hätte sie trotzdem problemlos durchgehalten - aber wer weiß sowas schon vorher. Wissen ist kein Vorher-Zustand. Ahnung ist ein Vorher-Zustand; Hoffnung ist einer. Befürchtung. Spannung auch. Oder eben Vorfreude. So wie bei mir, als ich den grünen Hörer auf meinem Display nach rechts wische. Für mich ist es eigentlich noch zu früh, für dich eigentlich schon zu spät. Trotzdem bin ich, im Gegensatz zu dir, alles andere als müde. Erst wegen der Vorfreude, dann nicht mehr. Dann wegen der Fragen, die du mir stellst. Fragen, die ich nicht mit aufgenommen habe. Fragen, die da nicht waren. Fragen, auf die ich keine Antworten habe. Wie auch? Mir war ja bis eben nicht mal klar, dass du überhaupt welche hast. Wo kommen sie her? Warum sind sie da? Ich habe die ganz sicher nicht mit versendet. Glaub mir, die waren da nicht! Sie haben kein Recht, jetzt einfach so zu sein - kein Recht, dich zweifeln zu machen! Scheiß Technik!