Web 0.0: Das analoge Internet

Na, auch schon mal getestet, wie lang es möglich ist, ohne das Internet zu atmen? Soll ja Menschen geben, die schon ihr ganzes Leben lang nicht an fehlendem Web 2.0 gestorben sind. Fast so, als ginge es ohne – als funktionierte Gesellschaft auch abseits von Facebook, Whatsapp & Co. Aber genau das tut sie, selbst wenn es häufig einen anderen Anschein hat. Um das zu beweisen, zu zeigen, dass soziales Leben nicht auf das Web 2.0 angewiesen ist und auch nicht hierdurch erfunden wurde, installierte der Mailänder Künstler Biancoshock das Projekt Web 0.0: Eine Reduktion interaktiver 2.0er Technik auf das für das soziale Miteinander benötigte Maß. Und Überraschung: Keine 2.0er Technik notwendig. Alles, was das Web 2.0 an Interaktion bietet, kann das Web 0.0 schon lange.

Digital ist besser? Eigentlich ist es nur digitaler

Unterhalten oder sich unterhalten lassen, sich informieren, handeln, tauschen, daten ... Das alles geht auch ohne Anschlussmöglichkeiten und Datenvolumenbegrenzung – eben einfach analog. Ging es schon immer. Daran hat auch das Web 2.0 nichts geändert. Es hat lediglich neue Wege eröffnet. Nach wie vor aber übernimmt der öffentliche Raum die wichtigste Funktion im menschlichen Miteinander. Veranschaulicht hat dies der Mailänder Biancoshock mit seinem Projekt Web 0.0, das er im Rahmen des diesjährigen CVTA-Festivals in Civitacampomarano installierte. Dort, in jener kleinen italienischen 400-Seelen-Gemeinde, versah der Künstler traditionelle Orte des sozialen Austauschs, der Kommunikation und des Handels mit den Webicons gängiger Onlinedienste.

Analog Natives unite

Whatsapp, Youtube, Tinder, Wetransfer, Wikipedia & Co. gab es alles schon, bevor das Neuland Internet entdeckt wurde. Hieß nur anders und fand andernorts statt: im realen Leben nämlich. Das gibt es glücklicherweise immer noch. Glücklicherweise aber auch etwas digitaler. Denn andernfalls müssten wir bei der Kälte tatsächlich raus, um uns Informationen über das Projekt Web 0.0 zu beschaffen.

Bilder via www.biancoshock.com

(Anmerkung in eigener Sache: Der Artikel darf natürlich gern verlinkt und geteilt werden – oder eben ausgedruckt und ausgehangen.)