Graffitiworkshop für Ältere: Wenn Oma deine Mudder taggt

Seidenmalerei ist so Oldschool: Für die Hipster der Generation 60 plus ist ein Graffitiworkshop für Ältere der neue heiße Scheiss. Stencils, Taggen, Sprayen – den Senioren und Seniorinnen Lissabons geht dank Architektin Lara Seixo Rodrigues wortwörtlich die Düse. Zusammen mit Straßenkünstler Adrião Resende unterrichtet diese nämlich die Silberperlen in Streetart.

 

Auslöser war ein Street Art Festival, das Rodrigues im Jahr 2011 in ihrer Heimatstadt Covilha organisierte und dem gerade jene Menschen mit Interesse begegnete, die man nicht zuerst auf der Schablone hat: die der Generation 60 plus. Sie waren es, die von den Sprühbildern besonders fasziniert und voll mit Fragen waren.

 

Die Antwort ist mal nicht 42 - sondern Lata 65

Die passende Antwort auf die meisten Fragen war in dem Fall nicht 42 – sondern Lata 65. So lautet der Name des Graffitiworkshops, den Lara Rodrigues daraufhin ins Leben rief. Dabei geht es Rodrigues weniger um Kunst nur um der Kunst willen, sondern darum, Vorurteile aufzubrechen. Zu zeigen, dass Ältere genauso gern experimentieren, wie Jüngere. Ziel ist es, die Damals-Jungen fit zu halten, sie ihre Wehwehchen und Beschwerden ein paar Stunden vergessen zu machen und sie mit den Derzeit-Jungen in Kontakt zu bringen. Das gelingt in Strick- und Seidenmalkursen ja bekanntlich nur so mittelgut. Andersrum profitiert natürlich auch die jüngere Generation von der Lata 65-Gang, an deren Leben sie in den Straßen Lissabons und an deren Kunst sie an den Wänden der Stadt teilhaben kann.

 

... wenn in Lissabon der Sprühing Einzug hält                    ... wenn die Ziffer auf der Dose noch eine Lesart hinzubekommt                             spray it, don`t say it

                                        Lissabons Dosensportgruppe zur Lage der Schablonen                                                                                                               Tag-Team back again

Statt Gehhilfe bietet Lata 65 Sprayhilfe

Bevor es jedoch soweit ist, durchläuft bzw. durchsitzt der betag(g)te Streetartnachwuchs den zweitägigen Lata 65-Workshop. Dieser beginnt mit einem kurzen geschichtlichen Abriss des Graffito und Begriffsklärungen rund um Adbusting, Tagging, Killen und Writing.

 

Anschließend wird für jedes Workshop-Mitglied eine eigene Signatur und ein individuelles Stencil entworfen und zurechtgeschnitten. Mit der fertigen Sprühschablone und dosenweise Farbe geht es dann raus an die Wand. Diese sind natürlich für den Workshop freigegeben. Der von Rodrigues gut gemeinte Hinweis an die Local Lata 65-Gang, sich besser Spitznamen zuzulegen, um nicht von der Polizei gefunden zu werden, kann also erstmal außer Acht gelassen werden.

 

Wie gesagt: erstmal. Denn begeistert, wie die Dosensportgruppe 60 plus vom Graffitiworkshop und vom Sprayen sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle Wände voll, die Dosen aber noch nicht leer sind.

 

Bilder via thisiscolossal.com